Schon seit über zwei Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland. Mittlerweile kann ich behaupten mich schon wieder gut eingelebt zu haben. Die meisten Dinge sind wieder alltäglich.
Aber erst mal von vorne: Am 1.8. wurde ich von meinem Betreuer zuhause abgeholt, das Gepäck wurde im Auto verstaut und meine Nachbarin und ihre kleine Tochter Happy, die mir während des Jahres sehr ans Herz gewachsen sind, wurden verabschiedet. Dann sind wir mit zwei Autos, in denen viele gute Freunde saßen, nach Entebbe zum Flughafen gefahren. Pünktlich dort angekommen reihte ich mich in die Check-in Schlange ein und dann hieß es Abschied nehmen. Glaubt mir: Das war nicht leicht! Als ich in Deutschland gegangen bin wusste ich, dass ich in einem Jahr wieder komme. Jetzt weiß ich zwar, dass ich zurückkommen will, aber nicht, wann und ob ich überhaupt die Möglichkeit haben werde in den nächsten Jahren. Schließlich ist ja so ein Flug nach Uganda nicht gerade günstig.
Aber wer was Neues entdecken will, muss auch irgendwann Tschüss sagen können. Irgendwie ist es ja auch schön so viele Leute zu haben, die einem den Abschied schwer machen. Den Satz habe ich im ersten Blogartikel schon geschrieben. Aber er trifft mindestens genauso auf diese Situation zu.
Schließlich gab es kein zurück mehr und ich ging durch den Check-in.
Von dort ging es über Dubai nach Frankfurt. Schon im Flieger nach Frankfurt fiel mir auf, wie unglaublich viel die Meisten Deutschen meckern können. Über welche Kleinigkeiten man sich beschweren kann, wusste ich vorher auch nicht.
Beim Landeanflug viel mir auch auf, wie geordnet alles ist in Deutschland. Sogar die Autos auf den Parkplätzen oder die Äcker sind in Reih und Glied angeordnet.
Schließlich fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Ich wollte nämlich meine Familie überraschen. Denen erzählte ich, dass ich erst am 25.8. komme. So wurde ich von einem Freund am Bahnhof abgeholt. Schließlich stand ich also einfach von der Haustür, schon am 2.8. Mein Papa und Bruder, die gerade zu Mittag aßen starrten mich eine gefühlte Ewigkeit an, als wäre ich eine Außerirdische.
Ich wurde dann aber doch rein gelassen und die Freude wurde groß. Auch als meine Mama später heim kam freute sie sich sehr über die Überraschung.
Jetzt bin ich schon wieder ganz gut eingelebt. Irgendwie ist Deutschland für mich ja doch gewohnt und vertraut. Jetzt freue ich mich darauf ganz viel von meinen Erlebnissen erzählen zu können. Wenn hier irgendjemand Interesse an einem Vortrag hat, einfach Bescheid sagen!
Gestern hatte ich die Ehre bei der traditionellen Hochzeit meiner Nachbarn dabei zu sein. Die Introductionceremony gibt es nur in einem Teil Ugandas, u.a. in dem, in welchem ich lebe.
Die Frauen tragen alle ein Gomes und die Männer den sog. Kanzu. In dieser Festtagskleidung kommt wirklich jeder und so konnte ich mir glücklicherweise auch ein Gomes leihen.
Die Feier wurde auf Luganda gehalten, deshalb habe ich nicht all zu viel verstanden. Da ich aber in guter Begleitung meiner restlichen Nachbarn war, wurde mir viel erklärt. Wir galten als “Anhang” des Manns und unsere Gruppe sammelte sich an einem anderen Ort, als der Anhang der Braut.
Schließlich fuhren wir zum Festgelände. Die der Braut Zugehörigen hatten schon ihre Plätze eingenommen. Wir stellten uns nach Geschlechtern getrennt in zwei Reihen nebeneinander auf und zogen durch einen Torbogen ins Festgelände ein. Dort nahmen auch wir unsere Plätze ein.
Für jedes “Team” ,also einmal das der Braut und das des Bräutigams, gab es einen Vertreter. Nun gab es ein Quiz zwischen den beiden Teams, das von den Vertretern durchgeführt wurde. Dann gab es noch einige Tänze. Dabei wurde von der männlichen Seite ständig Briefumschläge mit Geschenken an die Vertreter der Braut übergeben. So ganz verstanden hab ich das allerdings nicht alles.
Darauf gab es für alle Essen. Schließlich zog zunächst der Bräutigam ein, zusammen mit einer kleinen Abordnung seines Anhangs. Später zog auch die Frau ein und schließlich wurde sie von der Seite, auf der ihre Familie und Freunde saßen, zur Seite des Bräutigams gebracht. Nun durften sich die Beiden umarmen und es wurden ganz viele Fotos gemacht.
Übrigens: In Uganda zeigt man in der Öffentlichkeit überhaupt nicht, dass man ein Paar ist. Küssen in der Öffentlichkeit geht gar nicht, ganz selten sieht man in der Stadt Leute Händchenhalten.
So war also auch eine Umarmung genug für die Hochzeit.
Schließlich bekam die Braut noch ihren Brautpreis überreicht. Dafür gingen wir, der Anhang des mittlerweile Ehemannes, zu den Autos, in denen die Geschenke gelagert wurden. Die Frauen trugen Körbe mit verschiedenen Inhalten auf dem Kopf ins Festgelände und stellten die Gaben in der Mitte ab. Währenddessen kümmerten sich die die Männer um die schwereren Geschenke.
Es gab Sofas, Sessel, Limo, Wasser, Ziegen, eine Kuh und noch viel mehr. Eine ganz schön teure Braut!
Darauf bekam sie einen Ring und es wurde der Kuchen angeschnitten.
Danach haben wir uns auf den Heimweg gemacht, da wir ca. 2,5h fahren mussten. Lang ging die Feier aber denke ich nicht mehr.
Für mich war es ein sehr spannender Tag!
Am Straßenverkehr nehmen viele verschiedene Fahrzeuge und Leute teil. Nicht zu übersehen sind die vielen Boda-bodas, die Motorradtaxis. In den Städten gibt es an jeder Ecke eine Bodastage, also einen Platz, an dem Bodafahrer warten, bis jemand mit ihnen fährt. Das hat den super Vorteil, dass man immer von dem Ort, an dem man gerade ist direkt an den Platz, zu dem man will gebracht wird. Leider bewegt man sich dafür selbst kaum. Immer wenn man eine kurze Strecke zurücklegen will, nimmt man dafür ein Boda. Außerhalb Kampalas, der Hauptstadt, fährt man normal zu zweit oder zu dritt, also Fahrer plus 1 oder 2. In Kampala gibt es mehr Polizisten, die das auch verfolgen deshalb darf man nur zu Zweit fahren.Manchmal sieht man aber auch ganze Familien auf einem Boda. Man kann also auch zu fünft oder sechst fahren. Außerdem kann man mit einem Boda ganz viele Sachen transportieren! Schränke zum Beispiel oder zwei Betten gleichzeitig, die nicht etwa zusammengelegt sind.
Es gibt auch Fahrradbodas, also Fahrradfahrer, die auf ihrem Gepäckträger Leute oder Gegenstände mitnehmen.
Neben den Bodas gibt es noch die Taxis. Sie transportierten Leute entweder direkt zwischen größeren Städten, also über längere Strecken, oder sie bringen Leute in die umliegenden Dörfer und sammeln sie dort wieder ein. Es gibt also Langstrecken und Kurzstreckentaxis, wenn man so will. In so ein Taxi passen 14 Passagiere plus Fahrer und Conducter. Der Conducter ist quasi der Ansprechpartner für die Fahrgäste und er sammelt das Geld ein. Oft fährt im Kofferraum auch ein Huhn mit.Größeres Gepäck wird auf dem Dach befestigt.
Das sind die Hauptpersonentransportmittel. Dazu gibt es noch Costas, das sind kleine Busse, die im Prinzip die gleiche Funktion, wie Taxis haben, nur eben größer sind.
Außerdem gibt es Busse. Die verkehren meistens zwischen Kampala, der Hauptstadt und den weiter entfernten größeren Städten und auch ins Ausland. Ich bin z.B. schon nach Tanzania und Rwanda mit dem Bus gefahren.
Für die ganz Reichen gibt es dann noch Special Hires, also Taxis, wie wir sie aus Deutschland kennen. In Kampala gibt es ein paar Reichenviertel, wo diese herumstehen, sonst muss man die sich aber extra anrufen.
Und natürlich gibt es auch einige Ugander, die ein eigenes Auto besitzen. Fast alle Fahrzeuge werden übrigens gebraucht aus Japan importiert.
Um Waren zu transportieren, gibt es natürlich auch Laster. Auf deren Ladeflächen, die auch oft offen und nur vergittert sind, werden häufig auch Menschen transportiert.
Nicht zu vergessen sind natürlich die Fußgänger, die auch zwischen den Ortschaften überall unterwegs sind. In den Städten und in den Dörfern entlang des "Highways", der einmal durch Uganda führt, werden gerade zu den Abendstunden v.a. Früchte und Fastfood angeboten. Insgesamt findet man viele Straßenstände so gut wie überall in Uganda. Entlang des Highways gibt es auch immer wieder - ich nenne es mal "Essstopporte". Hier gibt es ganz viele Leute, die eine Jacke mit Lizenznummer tragen und alles mögliche verkaufen. Verschiedenes Obst, Gemüse, Chapatti, Fleischspieße, Limo, Wasser und noch viel mehr.
Auf einer ugandischen Straße ist also schon ziemlich viel los. Gerade in der Hauptstadt Kampala ist eigentlich immer Dauerstau.
Heute war ich mal auf dem sogenannten Showground, dem Rummel, der zur Zeit in Jinja stattfindet. Organisiert ist das ganze vom Bauernverband und es ist gleichzeitig eine Landwirtschaftsmesse.
Es ist eine riesige Veranstaltung, die von Montag bis Sonntag geht. Da wir tagsüber unterwegs waren, waren auch viele Schulklassen dort.
Man konnte auf jeden Fall ganz viele Sachen kaufen: Essen, Kleider, Schuhe, Schmuck, Getränke und Samen sind nur einige davon.
Außerdem gab es viele Kettenkarusselle, Gruselgänge, Kamelreiten und vieles mehr.
Ich war sehr von der Größe der Veranstaltung beeindruckt.
Fotos habe ich aber leider keine für euch, da mir mehrmals geraten wurde keine Wertsachen mitzunehmen. Ich hoffe ihr könnt mein besonderes Erlebnis trotzdem ein bisschen nachvollziehen. Bald kann ich euch davon ja auch persönlich erzählen. Liebe Grüße nach Deutschland!
Eigentlich wollte ich euch ja mehr von meinem Alltag und nicht so viel vom Reisen berichten. Schließlich bin ich ja nicht zum Reisen nach Uganda gekommen. Jetzt probiere ich mal eine Mischung aus Beidem, inspiriert durch meine Reise nach Rwanda, ein kleines aber feines Nachbarland an der westlichen Grenze zu Uganda.
Es passiert mir oft, dass Leute mich Fragen, wie es in Afrika ist und nicht, wie es in Uganda ist. Das mag zum Einen daran liegen, dass die Meisten den Namen des Landes, in dem ich gerade bin schon längst wieder vergessen haben. Manche wissen das aber ganz genau. Ich glaube oft herrscht aber die Vorstellung, dass ganz Afrika gleich ist ausgenommen Nordafrika.
Ich kann euch nicht sagen, wie es in Afrika ist, denn ich kenne nur Uganda und ein ganz kleines bisschen Rwanda und Tanzania. Auch zu Uganda kann ich euch nur erzählen, was mein persönlicher Eindruck ist und nicht, wie es hier grundsätzlich ist. Perfekt kenne ich mich auch nach 9,5 Monaten Aufenthalt längst nicht aus. Vom Leben der meisten UganderInnen bekomme ich auch gar nicht so viel mit, da ich in der Stadt wohne aber die meisten UganderInnen auf dem Land leben.
Als ich in Rwanda war habe ich jedenfalls erfahren, wie viele Unterschiede es gibt zu Uganda. Und die Beiden sind nur Nachbarländer!
Ich fände es sehr cool, wenn der riesige Kontinent Afrika mit seinen vielen verschiedenen Kulturen nicht wie ein Land zusammengeschrumpft wird, sondern als sehr vielfältig, wie alle anderen Kontinente auch gesehen wird.
Jeden Sonntag um fünf sind Susi und ich in der Jinja School of Nursing and Midwifery, also in der Schule für KrankenpflegerInnen und EntbindungshelferInnen. Dort treffen wir auf c.a. fünf wahnsinnig interessierte DeutschschülerInnen. Mit dem Unterricht los geht es aber erst ca. eine halbe Stunde später, da es immer noch ein wenig dauert, bis sich alle versammelt haben. Diese Zeit nutzen wir aber immer, um mit den Schülern, die schon da sind, wahnsinnig spannende Gespräche zu führen. Die Deutschstunde selbst ist dabei eigentlich nur die Nebensache. Wahrscheinlich wird niemand der SchülerInnen irgendwann wirklich mal Deutsch brauchen. Sowohl die Ugander, als auch wir lernen aber wahnsinnig viel über die verschiedenen Kulturen und wir haben viel Spaß zusammen. Letztens überlegten wir z.B. zusammen, wie wir möglichst viele leckere Früchte mit nach Deutschland schleppen könnten ohne die Gewichtsgrenze von 30 kg zu überschreiten. Die Ideen waren sehr amüsant.Schließlich wurden uns noch schnell zwei Avocados aus der Schulküche organisiert, „weil wir die ja so gerne essen“.
Ungefähr einmal die Woche bringe ich meinen Kollegen schwimmen bei. Manche können es sogar schon. Die lernen dann Rettungsschwimmen. Mit den Meisten begann ich allerdings von ganz von vorne mit Wassergewöhnung. Es ist echt eine super Gruppe! Meistens sind es so um die fünf Leute. Da jeder auf einem unterschiedlichen Stand ist, muss ich individuell auf jeden einzelnen eingehen. Bei fünf Leuten ist das gar nicht so einfach. Aber ich habe echt super Schüler, die sich gegenseitig unterstützen und unterrichten. Außerdem habe ich neuerdings noch einen zweiten Trainer, der mir gerne hilft.
Im Moment versuche ich aus Deutschland Seepferdchenabzeichen zu organisieren. Es wäre so cool, wenn das klappt!
Bilder folgen in den nächsten Tagen.
Heute vor drei Wochen, gab es in Jinja ein großes Event, den German Day mit ca. 80 Teilnehmern.
Er wurde organisiert von meiner Mitfreiwilligen Susi und mir. Außerdem hatten wir sehr viel Unterstützung von unseren ugandischen Kollegen und weiteren Deutschen aus Jinja und ganz Uganda. Insgesamt waren an die zwanzig Deutsche da, was den Austausch zwischen den Kulturen sehr förderte. Wir baten unsere deutschen Mitfreiwilligen Plakate zu verschiedenen Themen vorzubereiten. So verteilten sich diese im Garten unserer Rotkreuzstelle, sodass die Ugander herumlaufen konnten um sich an den verschiedenen Infoständen über Deutschland zu informieren.
Die Themen waren Geografie und traditionelles Essen in den verschiedenen Regionen, Wetter und Klima, Politik, Feiertage (Weihnachten und Ostern), Schule und Bildungssystem und Fußball.
Darauf führte die Deutschgruppe der Nursing school, die wir jeden Sonntag unterrichten, einen Sketch auf Deutsch auf. Der hat aber leider bei den Proben besser geklappt als bei der Vorführung. Später lernten die Ugander, wie man Walzer und Discofox tanzt. Schließlich gab es Essen. Zuerst Ugandisches. Später machten wir noch Pfannkuchen und saßen mit Stockbrot am Lagerfeuer. Wie bei jeder Party in Uganda wurde noch viel getanzt. Wir hatten uns noch viel mehr Programm überlegt, dass wir gar nicht mehr geschafft haben. So planten wir z.B. noch ein Quiz über Deutschland und einen Vortrag übers Deutsche Rote Kreuz. Im großen und ganzen war es nach meiner Einschätzung aber ein sehr gelungener Tag. Wie bekamen von vielen Leuten Lob. Doch ohne die Unterstützung durch die ugandischen und deutschen Freiwilligen wäre das Event nicht so gut abgelaufen. Danke an alle HelferInnen und TeilnehmerInnen!
Schließlich fiel ich abends total k.o. in mein Bett. Den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, um sich um achtzig Leute zu kümmern und die ganzen Helfer zu koordinieren ist schon nicht ganz einfach, macht aber auf jeden Fall einen Riesenspaß! Ich hoffe das ganze nochmal in Deutschland wiederholen zu können. Nur eben nicht als German Day, sondern als Ugandan Day. Mal sehen, was die Zukunft so bringt!
Heute gibts den ersten Einblick in meinen Alltag. Ich will euch zeigen, wie ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin wohne.
Wir haben eine kleine Wohnung in einem gemütlichen Stadtteil am Rande Jinjas, der ein bisschen was von einem Dorf hat.
Wir teilen uns ein Schlafzimmer, Bad, Balkon, und eine Mischung aus Küche und Eingangsbereich. Links und rechts neben uns wohnen je eine Familie. Gerade zur einen habe ich sehr viel Kontakt und unterhalte mich oft noch mit meiner Nachbarin, während sie Abendessen kocht oder helfe auch mal Matooke (Kochbananen) schälen. Dabei kommen immer wieder spannende Gespräche zustande. Letztens habe ich ihr zum Beispiel erklärt, dass man Geschirr und Wäsche nicht zusammen in einer Maschine wäscht, sondern es für Beides eine eigene gibt. Dafür lerne ich z.B. ein bisschen Luganda, eine der Sprachen, die man hier spricht, dazu.
Sehr gerne spiele ich auch mit ihrer Tochter Happy, die in der Zeit in der ich hier war schon Laufen gelernt hat und sich mittlerweile fleißig im Sprechen übt. Unter uns stehen im Moment zwei Wohnungen frei und über den Hof wohnen nochmal zwei Familien.
Die Küche besteht aus einer Gasplatte und einem Regal. Der kleine Tisch dient zum Aufbewahren der Vorräte. Einen Esstisch und richtige Stühle haben wir nicht, was auch gar nicht schlimm ist.
Am Wochenende machte ich mich zusammen mit ein paar Freunden auf den Weg zum Mabira Forest, dem zweitgrößten Regenwald Ugandas, der bei uns in der Nähe liegt. Geplant hatten wir eine Tour von 2,5 Stunden durch den Wald. Wir blieben allerdings nur zehn Minuten trocken, sodass wir den Weg ein bisschen abkürzten.
Als noch die Sonne schien, sahen wir viele schöne Schmetterlinge und auch Affen, die sich mit dem Regen aber leider versteckten. Trotzdem war es richtig toll den Regenwald beim Regen zu erleben. Besonders schön war es, als nach dem Schauer die Sonne wieder heraus kam und die Blätter in einem unglaublichen grün leuchteten! Komplett durchgeweicht aber glücklich gings dann zurück nach Jinja.
Am Freitag machte ich mich zusammen mit meiner Mitbewohnerin und zwei anderen Deutschen auf den Weg nach Masindi, denn das ist der Ausgangsort für Touren im Murchison Falls Nationalpark. Nach einer ca. siebenstündigen Fahrt kamen wir dort an und wurden in unser Hostel gebracht. Dieses wird von Frauen geführt, die aus ihrer Familie verstoßen wurden und ist echt ein Geheimtipp! Wir bekamen ein richtig gutes ugandisches Abendessen und fielen dann auch schnell in unsere Betten.
Am nächsten Morgen standen wir schon um kurz vor sechs auf, um uns um sieben von unserem Fahrer abholen zu lassen. Dann ging es rein in den Park und wir fuhren ca. 1,5h durch den Regenwald. Wir sahen auf dem Weg sehr viele Affen u.a. sprang auch kurz ein Schimpanse über den Weg. Schließlich kamen wir bei der Fähre an, die uns über den Albertnil in die komplett andere Savannenlandschaft brachte. Dort ging dann die richtige Tour los und wir hatten sehr viel Glück! Direkt vor unserem Auto spazierten zwei Giraffen vorbei. Wir sahen sogar Löwen, was nicht so häufig vorkommt. Außerdem gab es zwei verschiedene Antilopenarten, Pumbas, eine Elefantenfamilie und sogar einen Elefanten, der keinen Rüssel mehr hatte und deshalb ziemlich abgemagert aussah. Wir entdeckten auch viele Flusspferde, Büffel und den wunderschönen, für Uganda typischen Kronenkranich.
Es flogen auch Geier, Adler und hübsche kleine Vögel durch die Lüfte, z.B. der orange-blau leuchtende Kingfisher.
Besonders beeindruckend war es, als unzählige Antilopen und viele Giraffen in eine Richtung liefen. Anscheinend haben sie ein gefährliches Tier in der anderen entdeckt.
Nach dem Mittagessen gings dann zu den Murchison Falls, Wasserfälle, bei denen das Wasser eine unglaubliche Kraft besitzt.
Es hat sich wahnsinnig gelohnt sich diesen Park anzuschauen. Kann ich unbedingt weiterempfehlen. Und wenn man die richtigen Leute kennt, wird es auch nicht so teuer, wie es bei den großen Touriunternehmen angeboten wird.
Doch auch aus dem Alltag gibt’s gute Neuigkeiten. Wir bekommen jetzt einen neuen Manager, also Chef, für unsere Rotkreuzstelle. Alle sind nur noch am Grinsen und richtig glücklich darüber, denn unsere aktuelle Managerin bremst leider Freiwillige mit tollen Ideen aus.
Außerdem fiel mir auf, dass ich euch hier v.a. über besondere Dinge z.B. über Ausflüge berichte. Ich möchte ab jetzt gerne beginnen euch so oft, wie möglich aus meinem Alltag zu erzählen, von Dingen, die für mich mittlerweile selbstverständlich sind. Für euch ist aber sicherlich einiges davon ungewohnt. Ich hoffe es gelingt mir euch einen guten Einblick zu geben.
Wenn ihr euch also einen Eintrag über ein bestimmtes Thema wünscht: Immer her damit!
Am Freitag machte ich mich auf den Weg zu meinen Mitfreiwilligen nach Kampala. Dort ist eigentlich immer Stau und gerade im Stadtteil, in dem man mit dem Sammeltaxi ankommt, gibt es einen wahnsinnigen Trubel. Es sind total viele Fußgänger Autos und Motorradtaxis unterwegs. Dazwischen bieten Marktleute ihre Ware an. Dazu schreien sie die Preise laut durch die Gegend. Die ersten Male in Kampala fand ich diesen Trubel sehr, sehr anstrengend und unangenehm. Mittlerweile habe ich mich aber ein bisschen daran gewöhnt. Trotzdem bin ich immer wieder froh das stickige, laute Kampala zu verlassen und zurück in mein gemütlicheres Jinja zu fahren.
Eine der Freiwilligen in Kampala hatte Geburtstag und so feierten wir sie mit einem gemütlichen Abend auf deren Terrasse. Am nächsten Morgen genoss ich den Luxus einer Waschmaschine, die meine Mitfreiwilligen in ihrem Riesenhaus zur Verfügung haben. Kaum zu glauben aber meine Klamotten wurden mal wieder richtig sauber.
Später besuchten wir noch den ,,crafts markt“, stellten aber etwas enttäuscht fest, dass es dort im Wesentlichen das gleiche, wie in den Tourishops in Jinja gibt.
Darauf holte ich noch meine neuen Klamotten vom Schneider ab, die ich eine Woche vorher in Auftrag gegeben habe.
Am Sonntag Morgen machten wir eine Führung durch die ,,Gaddafi Moschee“. Sie ist wohl die zweitgrößte Moschee Afrikas und wurde vom ehemaligen syrischen Machthaber Gaddafi gesponsert. Weiter unten seht ihr ein paar Bilder. Wir wurden für die Führung auch komplett eingekleidet.Sogar aufs Minarett durften wir hinauf. Von dort hatten wir einen fantastischen Blick über Kampala!
Schließlich musste ich mich wieder auf den Rückweg machen, denn jeden Sonntag gebe ich nun zusammen mit meiner Mitbewohnerin Deutschstunden in der Nursing School.
Dort wurden wir wieder sehr herzlich empfangen und es hat sehr viel Spaß gemacht die sehr interessierten Schüler in Deutsch zu unterrichten. Aber auch und vor Allem der Austausch mit den Schülern nach und vor den Stunden ist wahnsinnig interessant. Sie lassen sich ja alle zu Krankenfleger*innen und Hebammen ausbilden und haben damit sehr ähnliche Interessen, wie ich.
Gestern hatten wir nichts zu tun und im Büro waren nur sehr wenige Leute, sodass wir schon früh heim konnten. Das war auch echt nicht schlecht, denn momentan ist es wahnsinnig heiß! Wie haben Temperaturen an die 40 Grad. Heute ist wieder kein einziges Wölkchen am Himmel. Da ist selbst das Nichts Tun anstrengend!
Für Anfang Mai, besonders für die Woche vor dem Weltrotkreuztag haben wir nun aber ein paar größere Projekte geplant, die wir gut vorbereiten müssen. Leider sind die noch nicht bei unserer ,,branch managerin“, also unserer Cheffin durch, die sehr gerne Ideen niedermacht und mit der Zusammenarbeit sehr, sehr schwierig ist. Allgemein bremst sie die Freiwilligen richtig aus, was total schade ist. Glücklicherweise halten aber eigentlich alle Freiwilligen mit uns zusammen und so bin ich mir auch ziemlich sicher, dass wir unsere Ideen umsetzen können.
Heute wird gewählt. Für mich bedeutet das mindestens die nächsten drei Tage im Haus bei meinen zwei deutschen Mitfreiwilligen etwas außerhalb Jinjas zu bleiben.
Meine Rotkreuzkollegen dagegen teilen sich auf die verschiedenen Hotspots in und um Jinja auf ausgestattet mit den neuen Sanitätstaschen und Rotkreuzwesten vom ICRC (International Commitee of the Red Cross).
Wahlkampf wurde schon lange im Voraus betrieben. Gerade die aktuell regierende Partei NRM mit dem Präsidenten Museveni, der mittlerweile schon 30 Jahre an der Macht ist, gibt dafür ganz schön viel Geld aus. Da werden Autos und sogar Hubschrauber bedruckt. Gerade in den Dörfern findet man kaum Oppositionsplakate. Ganz Uganda ist gelb, denn das ist die Farbe der NRM.
Am Montag hab ich sogar kurz Museveni durch Jinja fahren sehen. An diesem Tag hat die NRM nochmal richtig Gas gegeben und in Jinja eine Rally, die eher an einen Faschingsumzug erinnerte abgehalten. Doch auch der wichtigste Oppositionskandidat Besigye, der frühere Leibarzt Musevenis, war ein paar Tage zuvor in Jinja. Dieser wurde nun aber vor drei Tagen verhaftet. Dabei wurde wohl auch ein Anhänger getötet.
Außerdem durfte die Opposition erst später mit dem Wahlkampf beginnen und in den letzten Tagen vor der Wahl nicht im Zentrum Kampalas Wahlkampfaktionen starten. Insgesamt gibt es sieben Oppositionskandidaten.
Außer dem Präsidenten werden aber auch noch die Mitglieder des Parlaments gewählt.
Seit einigen Wochen fährt auch immer mal wieder ein Wahlbeobachtungsauto der EU vorbei. Schon interessant das alles mal mitzubekommen. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse, die wohl irgendwann am Wochenende verkündet werden und v.a. auf die Reaktion darauf!
Vorgestern wagte ich mich mal wieder raus zum Joggen, denn zum schwimmen komme ich hier kaum weil man in den paar Hotelpools schlecht anfangen kann einfach seine Bahnen zu ziehen.
Ich mache den ersten Schritt vor die Tür und die Kinder rufen schon Mzungu (weißer Mensch) bye! Nicht ungewöhnlich. Das ist auch so, wenn ich woanders hin lauf.
Als ich dann durch die Siedlung jogge ziehe ich alle Blicke auf mich. Jogger sind hier nämlich nicht so häufig v.a. Mädels und dann auch noch eine Weiße! Als ich am Kreisverkehr vorbei komme hält ein Bodafahrer (Motorradtaxi) an. ,,Mzungu, We go?“ Ich muss schmunzeln. Unglaublich. Beim Joggen brauche ich jetzt nun wirklich kein Boda!
Weiter geht’s über die viel befahrene Straße wieder an einen ruhigeren Platz. Die Bauarbeiter hören kurz mit ihrer Arbeit auf, um mir beim Joggen zuzuschauen. Auf dem Rückweg gleich nochmal. Zwischendurch werde ich schon auch mal angefeuert.
Vor mir fährt ein Laster, der gerade seine Steine auf dem ,,Baumaterialienverkaufsplatz“ abgeladen hat. Er bläst eine kräftige Wolke Abgase genau in mein Gesicht. Ungefiltert natürlich. Ich versuche so schnell, wie möglich wegzukommen, um wieder besser atmen zu können.
Ihr seht man muss hier den so genannten ,,inneren Schweinehund“ gleich doppelt überwinden. Aber ohne Bewegung ein Jahr geht ja irgendwie auch nicht.
Hallo meine Lieben! Endlich melde ich mal wieder. Hinter mir liegt ein toller Urlaub mit vielen tollen und leider auch nicht so tollen Erlebnissen. Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Susi bin ich durch Tanzania bis nach Zanzibar gereist. Da wir wahnsinnig viel erlebt haben kann ich euch leider nicht von allem berichten. Ich versuche aber eine einigermaßen knappe Zusammenfassung hinzubekommen:
Erster Stopp: Lake Bunyonyi
Der Lake Bunyonyi ist ein toller See. Bevor ich den jetzt lang beschreibe schaut ihr euch am Besten das Foto dazu an. In Jinja leben wir eigentlich dauerhaft in einem ziemlichen Geräuschpegel. Gerade abends und nachts ist es in unserer Wohnung ziemlich laut, weil am Markt immer Musik läuft und ständig ein anderes Baby schreit. Dadurch, dass am Lake Bunyonyi absolute Stille war, fiel mir erst auf an welchen Geräuschpegel ich mich mittlerweile schon gewöhnt hatte. Hier machten wir eine schöne Wanderung und genossen einfach mal die Natur.
Zweiter Stopp: Bukoba
Hier übernachteten wir nur zum Durchreisen. Die Anreise vom Lake Bunyonyi war aber schon ein bisschen abenteuerlich. Ich bin nämlich davon ausgegangen, dass man vom See relativ direkt nach Bukoba kommt. Leider mussten wir aber noch einen riesigen Umweg fahren. Das hatte dann zur Folge, dass wir an der Grenze ankamen, als gerade das Immigration office schließen wollte. Mit ein bisschen betteln bekamen wir aber doch noch unser Visum und den letzten Bus nach Bukoba.
Dritter Stopp: Mwanza
In Mwanza nahmen uns drei deutsche weltwärts- Freiwillige auf, die wir über Couchsurfing fanden.
Sie brachten uns ein bisschen Kiswaheli bei, denn in Tanzania ist es schwieriger mit Englisch durchzukommen, und zeigten uns die Großstadt. Am letzten Tag dort hatten wir große Schwierigkeiten einen Bus nach Moshi zu finden, denn wir wollten am 23. reisen, genauso wie alle Familien, die zu Weihnachten zu den Verwandten fuhren. Wir liefen von einer Busfirma zur nächsten und keiner hatte mehr zwei Plätze frei. Alles sah danach aus, dass wir an Heilig Abend fahren müssten. Mir fiel ein, dass mir unsere zweite Couchsurferin in Moshi mal eine Nummer von einem Freund gegeben hat, den wir bezüglich Bus anrufen können. Das taten wir dann auch und ohne, dass er uns irgendwie kannte meinte er in einer viertel Stunde sei er bei uns. Wir erklärten ihm unser Problem, er telefonierte ein paar Minuten und hatte uns tatsächlich die beiden letzten Bustickets nach Moshi gesucht. Schließlich organisierte er noch jemanden, der uns dort hinbringt und wir waren überglücklich und dankbar!
Vierter Stopp: Moshi
Nach einer ca. 15 stündigen Busfahrt, kamen wir sehr spät an. Von Moshi mussten wir noch ca. eine Stunde bis zum Dorf unserer Couchsurferin fahren. Leider stiegen wir ins Dala (=Sammeltaxi in Tanzania), das in die komplett falsche Richtung fuhr. Da wir aber mit dem letzten Dala fuhren waren wir mitten in der Pampa und hatten keine Möglichkeit zurück zu kommen. Im Dala gab es einen Mann, der ein bisschen Englisch sprach und uns unsere Situation erklärte. Er nahm uns mit zu sich nach Hause und bat seine Oma ein Bett zu beziehen. Schließlich teilte er sein Abendessen mit uns. Wir waren so dankbar aber fühlten uns gleichzeitig so schlecht, weil wir den Menschen nichts zurückgeben konnten. Sie bereiteten noch ein Frühstück für uns. Darauf gingen wir unsere Zähne am Gebirgsfluss putzen. Der Mann fuhr sogar extra zurück um uns zu helfen dieses mal das richtige Dala zu bekommen. So viel überwältigende Gastfreundschaft auf einmal habe ich zuvor noch nie erlebt! Schließlich kamen wir bei unserer zweiten tollen Couchsurferin an. Erst mal konnten wir noch etwas relaxen, bevor uns ihr Sohn zu den nahe gelegenem Wasserfall führte. Schließlich badeten wir noch im Gebirgsfluss und fielen am 24. Dezember schon früh in unser Bett.
Weihnachten feiert man hier nämlich erst am 25. und so standen wir schon früh auf um zur Familie unserer Couchsurferin zu fahren. Dort wurden wir auch sehr herzlich aufgenommen. Zufällig waren unsere Couchsurfer auch evangelisch und nahmen uns mit in die Kirche. Dort sangen wir u.a. ,,Ihr Kinderlein kommet“ auf Swaheli. Ein bisschen befremdlich war, dass mindestens eine halbe Stunde Geld gesammelt wurde. Über die Einnahmen wurde akribisch Buch geführt und die Reichen versuchten sich ständig zu überbieten. Am Ende wurden vor der Kirche noch Sachspenden, wie Hühner, Zuckerrohr usw., vom Messner versteigert um zusätzlich Geld für die Kirche zu gewinnen.
Nach der Kirche wurde groß gekocht und wir halfen ein bisschen Gemüse schneiden. Die höheren, Kochkünste überließen wir den erfahrenen Köchinnen ;)
Nach einem lecker Essen wurde noch gequatscht bis abends. Die Feier war wunderbar, auch wenn sie bei ca. 35 Grad eher an eine Grillparty erinnerte.
Fünfter Stopp: Dar es Salaam
Dar es Salaam ist eine Großstadt, an die wir nicht so tolle Erinnerungen haben. Mehr gibt’s auf Nachfrage ;)
Sechster Stopp: Stone Town
Mit der Fähre gings von Dar nach Stone Town auf Zanzibar. Auf der Fähre trafen wir auf vier weitere Mitfreiwillige, sodass wir uns über unsere Urlaubserlebnisse austauschen konnten. Stone Town ist eine sehr gemütliche Stadt und auf jeden Fall einen Tagesausflug wert, wenn man mal in der Nähe ist! Wir schlenderten über den riesigen Markt und genossen die Altstadt, die übrigens zum UNESCO- Weltkulturerbe gehört. Aufgefallen ist mir, dass es hier sehr viele Muslime gibt. Einige Frauen tragen auch eine Burka und oft tragen auch Babys schon ein Kopftuch, was ich zuvor noch nirgends gesehen habe.
Siebter und letzter Stopp: Jambiani
Hier verbrachten wir die letzten Tage am Strand mit türkisem Meer und wahnsinnig weißem und feinen Sand. Silvester feierten wir bei einer sehr genialen Beachparty direkt am Wasser. Außerdem lernten wir, wie man eine Kokosnuss schlachtet, die wir dann auch frisch von der Palme genießen konnten.
Rückfahrt:
Die Busfahrt war nicht gerade spannend und dauerte zwei Tage. Zufällig fuhren fast alle ugandischen Freiwilligen am gleichen Tag zurück, sodass wir uns wenigstens ein bisschen über unseren Urlaub austauschen konnten.
Ankunft zuhause:
Wieder zurück in Jinja wurden wir von allen sehr herzlich begrüßt. Unsere Nachbarin klopfte am nächsten Tag gleich an der Tür und freute sich riesig, dass wir wieder da sind. Ihre einjährige Tochter Happy klopfte wohl jeden Tag an unsere Tür und als sie bemerkte, dass wir wieder da sind, freute sie sich ständig. Sie rannte dauernd auf uns zu und umarmte uns. :D Auch auf der Arbeit freuten sich alle uns wieder zu sehen und wir stellten mit unserem Betreuer sogar einen Arbeitsplan für die nächsten drei Monate auf! Ich glaube zwar noch nicht ganz, dass wir den auch umsetzen aber immerhin ein Anfang!
Seit unserem letzten Ausflug ist viel passiert und ich dachte ich sollte euch mal wieder auf den neuesten Stand bringen!
Arbeitstechnisch geht es im Moment ganz gut. Wir fragten nämlich letzte Woche einfach mal unsere Nachbarin, wo das nächste Waisenhaus ist. Sie ist dann am nächsten Tag gleich mit uns hin. Der Chef bot uns an sofort anzufangen, da sie immer gerne Freiwillige haben, die mit den Kindern spielen. Jetzt dürfen wir immer kommen, wenn wir beim Roten Kreuz nix zu tun haben. Richtig perfekt. Einen halben Tag verbrachten wir schon dort und uns wurde sogar angeboten an Weihnachten mit den Kindern Plätzchen zu backen. Außerdem rückt unser Senior Youth Camp immer näher und so finden dafür häufig mal mehr und mal weniger sinnvolle Meetings statt. Außerdem beginnen wir wohl beim Camp mit unserem pad project, wo wir Mädchen und Frauen, die sich keine Einwegbinden aus der Drogerie leisten können, zeigen, wie sie aus nur einem alten T-Shirt und einer Plastiktüte wiederverwendbare Binden herstellen können. Ihr seht also auf der Arbeit läuft es aktuell ganz gut.
Dafür hackt es ein bisschen bei meiner Gesundheit. Ich hatte nämlich schon wieder Salmonellen und im Moment zu allem Überfluss auch noch Brucellen. Das sind Bakterien, die man sich wohl meistens über Milch einfängt, wenn diese nicht richtig pasteurisiert ist. Das heißt für mich jetzt das mittlerweile dritte und vierte Antibiotikum in nichtmal drei Monaten einnehmen zu müssen. Ich hoffe das geht nicht das ganze Jahr so weiter!
Gestern hatte unsere Nachbarin Happy ihren ersten Geburtstag und wir waren eingeladen. So feierten wir also Happy(s) Birthday! Außer uns war die ganze Familie da und es wurde natürlich groß gekocht. Es gab Berge von Reis, Matoke (Kochbanane) und Katoffeln. Dazu gab es Hähnchen. Nachdem wir bestimmt fünfmal bestätigten, dass wir wirklich keinen Hunger mehr haben, staunten wir über die Portionen, die die Männer verdrückten. Stellt euch einen ganz normalen großen Teller vor, auf dem ein Riesenberg Reis liegt, sodass nichts mehr darauf passt. Nun legt man noch ein paar Kartoffeln, Matoke und ein Hähnchen dazu. Dann hat man eine richtige ugandische Portion beieinander. Nach dem Essen wurde Happys erster Geburtstagskuchen angeschnitten und es gab natürlich Geschenke.
Heute gingen wir bei einem ,,Umzug“ gegen sexuellen Missbrauch von Kindern mit. Dieser wurde organisiert von unserer ,,Nachbarorganisation“, die auch im Rotkreuzhaus untergebracht sind. So zogen wir, unterstützt von zwei Verkehrspolizisten, durch die Hauptstraße und an den wichtigsten Plätzen Jinjas vorbei. Nach dem Lauf gab es auf einem Platz noch ganz viele wahnsinnig spannende Reden, die natürlich alle auf Luganda waren, sodass wir nix verstanden. Auf dem Heimweg kauften wir wie üblich unser Gemüse und Obst in der Markthalle und den Rest im Supermarkt. Dort wurde heute sogar ein wahnsinnig hässlicher, blinkender Plastikweihnachtsbaum aufgestellt. Zuhause angekommen freute ich mich riesig endlich was leckeres zum Essen zu kochen, denn ich hatte einen wahnsinnigen Hunger. Leider haben wir kein Wasser. Zu allem Überfluss habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr Wäsche gewaschen und mittlerweile wirklich nichts mehr zum Anziehen. Doch ohne Wasser waschen wird schwierig. Naja mal sehen. Länger als einen halben Tag waren wir noch nicht wasserlos. Ich hoffe es bleibt dabei!
Wenn es eines gibt, worauf man in Uganda gerne verzichten könnte, ist es sicherlich sieben Stunden über Nacht im überfüllten Matatu (=Sammeltaxi) durch die Gegend zu fahren. Genau das machten
wir, also ein paar deutsche Freiwillige hier aus Jinja und ein paar Ugander aus verschiedenen Organisationen am Donnerstag um nach Fort Portal zu gelangen, wo wir das Wochenende verbrachten. Wir
machten uns also abends auf den Weg. Schnell wurde klar, dass wir in dieser Nacht nicht gerade viel Schlaf abbekommen werden, denn abgesehen davon, dass es sehr eng war, dröhnte laute Musik aus
dem Radio. Nachdem ich sämtliche Sitzhaltungen ausprobierte um es mir doch noch irgendwie bequem zu machen, musste ich leider feststellen, dass dies unmöglich ist. Am frühen Morgen kamen wir dann
in Fort Portal an. Unser Organisator arbeitete vor einiger Zeit dort in der Blutbank. Deshalb wurden wir erstmal dort hingebracht um auf die Schlüssel fürs Hotelzimmer zu warten. Leider wurde
daraus nichts mehr, sodass wir die nächsten zwei Stunden auf dem kalten Boden im Warteraum der Blutbank verbrachten. Das musste dann auch reichen mit dem Schlaf, denn es ging gleich weiter zum
Frühstück. Davon gestärkt fuhren wir nochmal zur Blutbank um dort eine Führung zu bekommen. Darauf gings durchs Rwenzori Gebirge zu den heißen Quellen, die wir besichtigen wollten. Leider war ich
so müde, dass mir trotz des gigantischen Ausblicks immer wieder die Augen zu fielen. Ein paar Bilder hab ich euch aber trotzdem mitgebracht. An der Quelle angekommen gab es leider ein Problem.
Wie bei allen Touristenattraktionen gibt es zwei verschiedene Preise: Einen günstigen für die Ugander und einen sehr teuren für ,,den Rest der Welt“. Im Prinzip ist das aber eher eine
Unterscheidung in ,,für Weiße“ und ,,für Schwarze“. Ganz schön rassistisch! Doch das hatte unser Organisator schon eingeplant, sodass wir für den gesamten Trip mehr bezahlten, als die Ugander.
Das Problem war jetzt aber, dass dieser mit 20$ rechnete. Der aktuelle Preis lag aber bei 40$ und da 20$ in Uganda sehr viel Geld sind, hatten wir nicht mal so viel dabei um dieses draufzuzahlen.
Das hatte zunächst zur Folge, dass alle Schwarzen zur Quelle durften und alle Weißen warten mussten, bis diese wieder zurück kamen. Nach einer halben Stunde Wartezeit überlegten es sich die
Guides dann doch anders und ließen uns für 30$ rein. Wir kratzten also noch umgerechnet 10 Dollar zusammen und machten uns auf den Weg. Die Warterei und die lange Anfahrt haben sich wirklich
gelohnt! Die Quelle war sehr eindrucksvoll und wir konnten sogar die mitgebrachten Eier darin kochen! Weiter fuhren wir dann noch zur kongolesischen Grenze, wo wir die Grenzwärter dazu
überredeten einmal durch das Niemandsland in den Kongo laufen zu dürfen. Zurück in Uganda machten wir uns auf den Heimweg und freuten uns auf ein Mittagessen. Danach konnten wir endlich in die
lang ersehnten Hotelbetten fallen.
Am nächsten Morgen besichtigten wir einen Wasserfall, Höhlen und Kraterseen. Um all das zu sehen machten wir eine kleine Wanderung durch die wunderschöne und wahnsinnig abwechslungsreiche Natur. Auf dem Rückweg wurden wir allerdings von einem Regenschauer erwischt, sodass wir komplett durchgeweicht waren. Als es eh schon egal war, wo man hintritt, weil die Schuhe sowieso schon nass und dreckig waren, machte es sogar richtig Spaß durch den Regen zu spazieren. Im Hotel legten wir uns trocken und nach dem Mittagessen schauten wir uns ein bisschen auf dem Markt um. Schließlich betrachteten wir noch das Königshaus, das in Fort Portal steht, und machten uns auf den Weg zu einer Kneipe, wo zumindest die Nicht- Vegetarier Pork also Schweinefleisch essen konnten und wir ein bisschen Billard spielten. Darauf ging ein Teil noch etwas feiern und ein anderer genoss die Ruhe im Hotel bis es wieder nach Hause ging. Ich gehörte dieses mal zum Zweiten. Um vier Uhr frühs wurden wir dann wieder geweckt um uns auf den Heimweg zu machen. Dieses mal konnte ich einen verhältnismäßig guten Platz im Matatu ergattern. Doch da eine Mitreisende auf dem Markt ein Huhn gekauft hatte, das nun lebendig im Kofferraum saß, hatte dieser leider nicht mehr so viel Platz für unser Gepäck, sodass mein Reiserucksack die Ehre hatte die ganze Fahrt auf meinem Schoß zu stehen. So hatte ich wenigstens die Gelegenheit mich anzulehnen und das mit dem Schlafen hat ganz gut geklappt. Man gewöhnt sich eben doch an alles! Nach einem gemütlichen Rest-Tag zuhause trafen wir uns abends noch mit unseren deutschen Kollegen zum Essen und Schafkopf spielen/ lernen. Dabei entbrannte eine hitzige Diskussion, ob man in Deutschland im Kreisverkehr mit oder gegen den Uhrzeigersinn fährt. Ihr seht wir haben uns hier schon so gut eingelebt, dass wir gar nicht mehr wissen, wie die Dinge in Deutschland laufen :D
Jetzt sitze ich gut ausgeschlafen in meinem Bett und habe heute mal noch ganz viel Zeit um auf die Arbeit zu gehen. Gerade, als der Wecker klingelte, fing es nämlich an zu regnen. Das tut es jetzt schon über zwei Stunden und in Uganda geht bei Regen keiner auf die Arbeit. Wir warten jetzt also gemütlich ab, bis es aufhört und uns wieder die wahnsinnig spannende und abwechslungsreiche ,,Arbeit“ erwartet, die bei mir momentan daraus besteht Bewerbungen für die Zeit nach Uganda zu schreiben. Wir hoffen an dieser Situation können wir bald mal was ändern!
Ist vielleicht ein bisschen übertrieben für unsere Halloween Party. Aber ein schönes Wochenende hatten wir trotzdem. Am Freitag machten wir uns nach der Arbeit auf den Weg nach Tororo um unsere Mitfreiwilligen dort zu besuchen. Erstmal mussten wir eineinhalb Stunden im Matatu (=Sammeltaxi) warten bis alle Sitzplätze besetzt waren. Mit dem Reiserucksack auf dem Schoß und auch sonst ziemlich eingequetscht ging es dann endlich los! Die Matatufahrer versicherten uns, dass sie direkt nach Tororo fahren. In einem Gespräch mit einer Mitreisenden fanden wir dann zufällig heraus, dass sie das doch nicht tun. Im Taxi war noch ein weiterer Mitfahrer, der nach Tororo wollte. Als die restlichen Mitfahrenden das mitbekamen, begannen alle den Taxifahrer zu schimpfen und unterstützten uns. Schließlich organisierte der uns auf dem Weg ein Taxi, das nach Tororo fährt. Endlich angekommen fuhren wir mit dem Boda noch zu unseren Mitfreiwilligen, wo wir gemütlich zusammen kochten.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf nach Busia, einer Grenzstadt, die sowohl in Uganda, als auch in Kenia liegt. Von dort fuhren wir dann zu dem Dorf, wo die Halloween Party stattfinden sollte. Von hier aus kann man übrigens in fünf Minuten auf dem Schmugglerweg nach Kenia laufen! Im Dorf holten wir erstmal genügend Wasser für alle erwarteten Gäste aus dem Brunnen, der allerdings keine Pumpe besaß, sodass man das Wasser mithilfe eines Kanisters, der an ein Seil gebunden ist, hochholen musste. Ganz schön anstrengend! Schließlich kamen auch viele andere Mitfreiwillige, die in ganz Uganda verteilt sind, an. Sehr schön alle mal wieder zu sehen und ein bisschen Erfahrungen auszutauschen!
Nach dem Mittagessen höhlten wir noch ein paar Kürbisse aus und schnitzten gruselige Grimassen hinein. Darauf schlachteten die Ugander die Ziege, die es zum Abendessen geben sollte. Dabei wurde ich wieder daran erinnert, warum ich Vegetarier bin! Nachdem wir die Kürbisse aufleuchten ließen gab es ein leckeres Abendessen mit Posho (gekochtes Reismehl), Kürbissoße, Greens (irgendein Blatt geschnitten und gekocht. Aus was genau das gemacht wird habe ich noch nicht herausgefunden) und für die, die wollten, frisch geschlachtete Ziege und Huhn. Darauf tanzten wir noch ein bisschen im Matsch, weil es immer wieder regnete, und brachten den Ugandern bei, wie man über dem Lagerfeuer ein Stockbrot macht. Am frühen Morgen legten wir uns dann schlafen, wobei das sehr schwer viel, da die Musik bis zum Frühstück weiterlief. Zum Frühstück gab es nochmal das, was es auch schon abends gab, und natürlich Chapati (eine Art Pfannkuchen). Der Heimweg ging dann zum Glück etwas schneller, da wir diesmal wirklich den direkten Weg fuhren. Zuhause gabs dann erstmal einen schönen Mittagsschlaf. Ein fast perfektes Wochenende, wenn ich da nicht noch irgendwas gegessen hätte, was wohl nicht mehr ganz gut war.... Naja mal sehen. Mein Magen findets jedenfalls nicht so cool!
Diese Woche organisierte unsere Rotkreuzstelle einen Erste Hilfe Kurs. Dieser dauerte vier Tage. Drei Tage Unterricht und ein Tag Prüfung. Natürlich ist so ein Erste Hilfe Kurs in Uganda nicht identisch mit einem in Deutschland. Es entspricht sich aber mehr, als ich erwartet hätte. Allerdings sind hier die Rahmenbedingungen fürs Erste Hilfe leisten ja auch ganz andere. Steriles Verbandsmaterial ist kaum vorhanden und deshalb macht man alles, was man sonst mit diesem machen würde, mit Dreieckstüchern. Aus diesen kann man die verschiedensten Verbände, Wundauflagen und zusammen mit Holzlatten sogar Schienen herstellen. Einen großen Teil nimmt hier auch das Thema Transport ein, da die Verletzten oft zum Krankenhaus getragen werden müssen. So wurde auch gezeigt, wie man aus einer einfachen Decke eine Trage herstellt. Doch ich lernte nicht nur sehr viel dazu, ich durfte auch selbst ein Thema unterrichten. So suchte ich mir ,,Schock und Bewusstlosigkeit“ aus, bekam die Powerpoint-Präsentation, eignete mir die ganzen Begriffe auf Englisch an und brachte den Kursteilnehmern schließlich Schocklage, stabile Seitenlage & Co. bei.
Außerdem viel mir auf, dass der Erste Hilfe Kurs hier teilweise sehr detailliert und auch überwiegend theoretisch ist, während man ja in Deutschland immer mehr Einzelheiten weglässt und versucht möglichst viel Praktisches zu vermitteln. Zum Abschluss gab es dann einen schriftlichen Test und ein Fallbeispiel.
Schließlich machten wir uns auf den Weg ins Büro, da wir gestern unsere erste Deutschstunde hielten. So hatte sich im Garten eine interessierte sechsköpfige Gruppe unserer Arbeitskollegen versammelt. Wir machten erstmal eine Art Wiederholungsstunde, weil einige schon ein bisschen Deutsch durch die Vorfreiwilligen gelernt hatten. Dabei brachten wir ihnen verschiedene Wendungen zur Begrüßung und die Zahlen von eins bis zwanzig bei. Es war ein sehr witziger und schöner Anblick, wie alle im Chor los zählten!
Heute fuhr ich nochmal mit der Nachbarin zur Arbeit um mir erneut die Haare flechten zu lassen. Auf dem Rückweg waren wir noch einkaufen und ließen ihren Rucksack beim Schuster reparieren. Da es schon dunkel war nähte er die Tasche, während er mit seinem Mund das Handy festhielt, dessen Taschenlampe ihm ein wenig Licht spendete. Immerhin war der Henkel innerhalb von nicht mal fünf Minuten wieder am Rucksack!
Ich bin gespannt, was uns nächste Woche erwartet!
… bedeutet so viel wie tanzen, Musik machen, Spaß haben und ist der Titel des internationalen Festivals, das am Wochenende in Jinja stattfand. Darauf aufmerksam wurden wir durch eine Kenianerin, die uns eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit fragte, ob wir wissen, wo das Festival sei. Sie ist dort nämlich Fotografin und extra aus Kenia angereist. So bekamen wir die Infos dazu quasi aus erster Hand. Am Samstag machte ich mich mit meiner Mitfreiwilligen auf den Weg dorthin. Wie es der Zufall will überholte uns unsere focal person währenddessen mit dem Boda (=Motorradtaxi). Er hatte das gleiche Ziel wie wir, sodass wir ihm folgten. Am Festival angekommen trafen wir dann erstmal unsere ganzen Arbeitskollegen, denn das Rote Kreuz sicherte dieses Festival ab. Schade, dass wir von diesem Sanitätsdienst nichts wussten! Ich hätte nämlich wahnsinnig gerne mitgemacht und war echt ganz schön neidisch auf meine Kollegen. Anscheinend trauten Sie sich nicht uns zu fragen, weil die Veranstaltung am Wochenende war. Für die Zukunft wissen die Kollegen jetzt also, dass ich das nächste Mal unbedingt dabei sein will. Aber so konnten wir uns das Ganze als Festivalbesucher anschauen, was ja auch so seine Vorteile hat. Kaum mitten im Festival trafen wir dann auch gleich auf unsere Freunde. Ein Ugander, der mit dem Roten Kreuz arbeitet, mittlerweile aber auch seine eigene Organisation hat und eine Niederländerin, die schon seit fünf Jahren in Uganda lebt. So genossen wir ein bisschen die coole Musik und das angenehme Wetter, bis es anfing zu regnen. Schnell flüchteten wir zu unseren Kollegen. Die hatten für ihre Sanitätsstation nämlich glücklicherweise ein Zelt, sodass wir uns hier unterstellen konnten. Das erste Mal seitdem ich hier bin fand ich das vor, was ich vom DRK kannte und an der Rotkreuzarbeit so liebe. Wir hatten jede Menge Spaß und unterhielten uns über alle möglichen wichtigen und auch komplett sinnlosen Themen. Viele Leute, die mit uns noch nicht viel mehr als ein tägliches ,,Good morning. How are you?“ gesprochen hatten, erwiesen sich als echte Spaßvögel. Die nächste Regenpause nutzten wir dann für die Heimfahrt. Es war zwar erst spätnachmittags doch das Festgelände verwandelte sich zu einem einzigen Schlammfeld, sodass es leider nicht mehr gemütlich war. Dafür wurden wir von ein paar anderen Festivalbesuchern (Kanadier, Niederländer und Ugander) auf der Ladefläche eines Jeeps bis in die Stadt mitgenommen. Insgesamt war das Festival sehr international und auch in Jinja allgemein trifft man auf Leute aus vielen verschiedenen Ländern. Auf dem Festival trafen wir auf die unterschiedlichsten teilweise sehr verrückten Leute unter anderem auch auf eine britische Hippie Familie.
Heute bin ich nochmal alleine aufs Fest. Es war total cool! Ich fühlte mich fast schon wie zuhause. Erstmal spazierte ich am Rotkreuzzelt vorbei, wo ich gleich Tipps bekam, wo sich meine Bekannten verstecken. Auf dem Weg zu diesen traf ich weitere Rotkreuzmitglieder, die mich sehr herzlich begrüßten, bis ich schließlich wieder die Niederländerin und den Ugander vom Vortag traf. Leider regnete es auch heute ununterbrochen, sodass wir uns schon wieder um acht auf den Rückweg machen mussten. Trotzdem wars ein schönes Wochenende mit vielen tollen Leuten.
Morgen geht’s dann wieder auf die Arbeit. Unser Rettungswagenprojekt legten wir jetzt erstmal auf Eis. Wir wollten uns nämlich sicher sein, dass dieses Auto auch betrieben wird, wenn es es geben würde. Dafür braucht man Geld für Treibstoff, Material und Reparaturen. Zu der Frage, wie wir das finanzieren sollen, sagen unsere Kollegen nur ,,jaja dafür hat das Rote Kreuz genug Geld“, was wir uns nicht wirklich vorstellen können. Deshalb beschlossen wir das Projekt erstmal nach hinten zu schieben und kleinere Aktionen zu starten. Das hatte zur Folge, dass wir jetzt eine Weile wieder nur tagelang nichts taten. Es gibt aber Aussicht auf Besserung. Am Donnerstag dürfen wir z.B. ein Thema beim Erste Hilfe Kurs übernehmen und dieses den Kursteilnehmern näherbringen. Auf Englisch wird das sicher keine leichte Aufgabe. Ab dieser Woche beginnen wir außerdem jeden Freitag für unsere Kollegen Deutschstunden zu geben, worauf diese sich schon sehr freuen. Wird wohl also eine spannende Woche!
Am Mittwoch lief ich nach der Arbeit mal alleine nach Hause, denn meine Mitbewohnerin ist schon früher zurück um auf die Tochter unserer Nachbarin aufzupassen, weil die Nachbarin Malaria hat. Wie jeden Tag machte ich noch ein paar Einkäufe und lief die Hauptstraße entlang. Im Vorbeilaufen fiel mir eine Ansammlung vieler Menschen auf, die einen Kreis bildeten. In der Mitte lag eine verletzte Person, die im Gesicht und am Knie blutete. Niemand half dem Mann. Ich sprach ihn an. Er war zwar etwas benommen aber immerhin bei Bewusstsein. Währenddessen hörte ich aus der Menschenmenge Dinge, wie: ,,Helfen Sie ihm nicht, er hat es nicht verdient!“ oder ,,Kaufen Sie ihm ein Wasser. Dann geht es ihm wieder gut.“ Anscheinend hatte er etwas gestohlen und jemand hat dies mitbekommen und ihn darauf zusammengeschlagen.
Ich zog mich dann erstmal wieder aus dem Mittelpunkt zurück und rief etwas abseits meine Mitbewohnerin an. Sie gab dann unserer Betreuungsperson vom Roten Kreuz Bescheid, die später mit dem Motorrad kam. Auch die Mitbewohnerin machte sich mit einem Erste Hilfe Päckchen auf den Weg zu mir. Mit der Sicherheit, dass ich Unterstützung bekomme, packte ich meine Handschuhe aus, die ich zum Glück noch in der Tasche hatte, und stürzte mich zurück in den Mittelpunkt. Da ich außer Handschuhen leider nichts dabei hatte und man hier nicht einfach einen Erste Hilfe Kasten bekommt, wenn man ein Auto anhält, war das Einzige, was ich machen konnte den Mann zu beruhigen und aufzupassen, dass er nicht bewusstlos wird. Beäugt wurde ich dabei von einer viel zu großen Menschenmenge. Immer wieder hörte ich Leute lachen: ,,Haha Muzungu Muzungu Muzungu“ Muzungu heißt weißer Mensch und wenn man hier durch die Straßen läuft, wird man immer so angesprochen. Einer machte mit seinem Handy sogar ein Foto. Aber das kommt in Deutschland ja auch vor. Ich war so froh, als mich zwischendurch auch Leute fragten, ob sie mir helfen können. Irgendwann kam dann auch meine Mitfreiwillige mit dem Verbandsmaterial, sodass wir den Verletzten schonmal erstversorgen konnten.
Der Freiwillige vom Ugandischen Roten Kreuz war inzwischen wieder umgedreht, weil er mich nicht finden konnte. Ich konnte ihm nämlich leider nicht den genauen Ort beschreiben. Darum kümmerte sich dann meine Mitfreiwillige, sodass er irgendwann auch dazustieß.
Jetzt wurde uns die Notwendigkeit unseres Rettungswagenprojekts sehr deutlich vor Augen geführt. Wir hatten den Verletzten, der Schwierigkeiten zu sitzen und wahnsinnige Schmerzen hatte. Aber wir hatten kein Auto, mit dem wir ihn transportieren konnten. Unser Ugandischer Kollege wollte den Mann nun da lassen, weil wir keine Möglichkeit hatten ihn ins Krankenhaus zu bringen. Für uns war klar: Der Mann muss da aber hin. Inzwischen bekam er eine riesige Beule am Kopf. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er noch innere Verletzungen hatte. Also setzte ich mich zusammen mit ihm auf ein Boda-Boda (=Motorradtaxi). Meine beiden Kollegen kamen auf einem anderen Boda-Boda mit.
Im Krankenhaus wurde er erstmal auf eine Liege gelegt. Das größte Problem, das das Krankenhauspersonal hatte, war es ein Heft zu finden, in das sie den Namen des Verletzten schreiben konnten. Das mussten wir dann auch noch bezahlen. Schließlich ging es dann weiter zum Zimmer für den Verletzten. Da leider alle Rollstühle und Tragen defekt waren, musste der Mann die ca. 500 Meter laufen. Er war eigentlich kaum in der Lage dazu zu sitzen. Angekommen in einem Zimmer mit ca. 50 Kranken, legten wir ihn auf eine sehr alte, kaputte Liege. Hier war unsere Arbeit dann getan. Ich möchte nicht wissen, wie lange es noch dauerte, bis sich jemand um ihn kümmerte.
Das Schlimmste in diesem Krankenhaus war, dass ich mit meiner mickrigen Saniausbildung die ganze Zeit das Gefühl hatte diejenige mit der meisten Ahnung zu sein. Es kam mir echt so vor als ob die Leute in diesem Krankenhaus noch nie etwas von einer stabilen Seitenlage gehört haben. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch. Wir haben uns auf jeden Fall gefragt, ob es überhaupt sinnvoll war ihn ins Krankenhaus zu bringen.
In dieser Klinik wurde mir seit Beginn meines Aufenthalts das erste Mal so richtig klar, was Armut wirklich bedeutet. In Deutschland sind wir mit unserem Gesundheitssystem und einer Krankenversicherung auf jeden Fall sehr verwöhnt!
Am nächsten Tag liefen wir auf dem Heimweg wieder an der ,,Unfallstelle“ vorbei. Die Bodafahrer sprachen uns - statt wie sonst immer mit ,,Hey Muzungu! We go?“ - mit ,, Hey Girls from Redcross“ an. Ein tolles Gefühl nicht mehr nur auf die Hautfarbe reduziert zu werden! Ich glaube die Leute waren im Großen und Ganzen sehr froh, dass wir geholfen haben. Auch wenn es da Einzelne gab, die uns davon abhalten wollten.
Am Donnerstag waren wir dann in einer Schule, die eine Rotkreuzgruppe hatte, welche aber nicht wirklich aktiv war. Unsere focal person stellte den Schülern das Rote Kreuz vor. Das tat er allerdings auf Lusoga, also der hier gesprochenen Sprache, sodass wir nichts verstanden und ihm dabei auch nicht wirklich helfen konnten. Wir wurden also die ganze Zeit von ca. 40 Schülern angestarrt. Schon ein bisschen unangenehm!
Am folgenden Tag waren wir mit dem Blutspendeteam unterwegs. Wir fuhren auch wieder zu einer Schule und packten dort unser Material aus. Da wir bei Blutspenden selber nicht helfen dürfen, waren wir dafür zuständig an die Spender Limonade zu verteilen. Das war eigentlich ein ganz guter Job, denn so sind wir mit den Schülern schnell ins Gespräch gekommen. Dadurch dass wir den ganzen Tag da waren, wurden wir mal nicht dauerhaft angestarrt, sondern waren irgendwann einfach akzeptiert. So konnten wir ein bisschen in den ,,normalen“ Ablauf eines Schultags Einblick erhalten. Fürs Blutspenden hatten wir auch Waagen dabei. Davon waren die Schüler sehr begeistert. Schnell waren die Waagen von ganz Vielen umgeben. Diese schrien ihr Gewicht ihren Freunden quer über den Schulhof zu. Auch die Lehrer teilten ihr Gewicht gerne mit den Schülern. In Deutschland müsste die Waage in einer Ecke stehen, wo möglichst keiner einen Blick darauf werfen kann!
Am Samstag machten wir mit ein paar Mitgliedern aus der Branch (=Rotkreuzstelle) einen Ausflug nach Mbale. Wir standen schon um halb vier! auf um vom Bus abgeholt zu werden. Beim Roten Kreuz in Mbale bekamen wir dann Frühstück: Chapati (eine Art Pfannkuchen), Banane und Ei. Davon gestärkt machten wir uns auf den Weg zu dem Wasserfall auf den Wa male hills. Der führte uns durch eine wunderschöne Landschaft einen sehr steilen Berg hoch. Die pralle Sonne und die feuchte Luft forderten uns zusätzlich heraus. Der Wasserfall war wirklich wunderschön! Wir konnten uns allerdings kaum mehr auf den Beinen halten, als wir wieder unten angekommen waren!
In Mbale bekamen wir eine Führung durch die Blutbank. Wahnsinn wie viel Blut weggeschmissen wird, weil es mit HIV infiziert ist! Darauf gab es Mittagessen beim Roten Kreuz Mbales und nachdem wir irgendein Grab irgendeiner wichtigen Person der ugandischen Geschichte anschauten, machte wir uns auf den Heimweg. Ein sehr gelungener Ausflug!
Kaum zu glauben aber wahr: Wir haben was zu tun. Nicht gestresst und in aller Gemütlichkeit aber immerhin was. Ja! Wir haben uns sogar ein ganz schön großes Projekt vorgenommen. Aber erstmal von vorne: Als wir vor ca. eineinhalb Wochen ins Büro kamen, stellten wir uns schon darauf ein wieder nichts zu tun. Schließlich wurde uns erklärt, dass wir jetzt eigene Projekte starten sollen. Wir waren erstmal ein bisschen schockiert, denn wir hatten ja noch nichts gemacht und keine Ahnung, was in unserer Branch (=Rotkreuzstelle) schon so an Projekten vorhanden ist. Aber nach ein paar Gesprächen mit anderen Freiwilligen haben wir herausgefunden, dass es hier mit der Versorgung an Rettungswägen sehr schlecht aussieht. Es gibt wohl Rettungswägen in Jinja, doch die werden oft für andere Zwecke genutzt. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass einer kommt. Oft brauchen die Autos auch länger als eine, vielleicht sogar zwei Stunden bis zum Unfallort. Schnell war klar: Das wollen wir ändern.
Bisher fahren die Mitglieder unserer Branch mit Motorrädern zu Verletzten. Dass man diese damit nicht fachgerecht transportieren kann, ist klar. Uns schwebt jetzt also so eine Art ,,Erste Hilfe
Auto“ vor, das von Freiwilligen betrieben wird. Wir wollen also keinen super ausgestatteten Rettungswagen, denn dafür gibt’s hier weder Material, noch Personal. Es würde schon ein Auto mit einer
Art erweitertem Erste Hilfe Kasten reichen, mit dem man die Leute wenigstens mal ins Krankenhaus transportieren kann. Klingt cool oder? Das große Problem bei der Sache: So ein Auto kostet ganz
schön viel Geld. Unsere Arbeit besteht jetzt also vor allem darin vorm Computer zu sitzen und Emails zu schreiben um für Spenden zu werben.
Bei den ugandischen Kollegen stießen wir mit dem Projekt schnell auf offene Ohren. Heute haben wir auch endlich das OK von unserer Chefin bekommen. Das einzige Problem. Das Rote Kreuz sammelt hier im Moment schon viele Spenden für den Ausbau des zweiten Stocks unseres Büros. Heißt für uns: Wir können vor Ort nicht parallel Geld fürs Auto sammeln und müssen uns auf Spenden aus Deutschland beschränken. Falls jemand Ideen hat, wie wir sonst noch an Geld kommen können: Immer her damit!
Außerdem findet im Dezember ein Camp für die Rotkreuzmitglieder zwischen 14 und 29 statt, das unsere Branch organisiert. Es werden 500 Teilnehmer erwartet. Dementsprechend gut muss das Ganze natürlich geplant sein. Dabei helfen wir jetzt auch mit. So haben wir uns schon einige Schulen angeschaut um einen geeigneten Platz zu finden.
Was uns auch noch aufgefallen ist: Es gibt hier vom Roten Kreuz aufgestellte Schilder zum Thema Straßensicherheit. Zum Beispiel steht auf einem ,,Respektiere die Straßenschilder“. Die wurden allerdings vor zehn Jahren aufgestellt und sind mittlerweile ziemlich verblichen. Außerdem sind sie gegen andere Werbeschilder echt unauffällig. Also wollen wir die Schilder mal wieder aufpeppen.
So langsam lernen wir auch die verschiedenen Aufgabenfelder der Branch besser kennen. So werden wir morgen mit zur Dissemination, also zu Mitgliedergewinnung gehen. Dabei gehen wir in Schulen und gründen dort neue Rotkreuzgruppen.
Am Freitag sind wir dann wahrscheinlich zum Blutspenden unterwegs. Ihr seht: Es geht was voran!
Aber auch in unserer Freizeit ist einiges geboten. So waren wir zum Beispiel Sonntag vor einer Woche mit unserer Nachbarin in der Kirche. Sie ist born again. Das ist eine christliche Glaubensrichtung, die hier stark vertreten ist. Den Gottesdienst hier kann man mit dem in Deutschland überhaupt nicht vergleichen! Die Kirche bestand aus einem einfachen Raum mit Bühne, ein paar Stühlen, ein paar Tüchern zum Schmuck und einem Keyboard. Den Anfang machten drei Sängerinnen, die zusammen mit der Gemeinde nach Gott ,,riefen“. Darauf wurde der Gottesdienst zu einer richtigen Party. Der Pfarrer tanzt ausgelassen mit seinem ca. zwanzigköpfigem Gottesdienstteam auf der Bühne. Aber auch die Gemeinde tanzt, singt, klatscht und kreischt mit. Zwischendurch wird es auch wieder ruhiger. Es werden Gebete und Predigten auf einen sehr laute, emotionale Weise vorgetragen. Die Gläubigen beten auf die verschiedenste Art und Weise: Manche lassen sich auf den Boden fallen, manche erheben die Hände, manche schließen die Augen, manche Knien sich hin, manche zappeln herum, die Meisten beten laut, manche weinen. Zwischendurch tragen verschiedene Gemeindemitglieder Lieder und Tänze vor. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene. Auch die Leute, die das erste Mal diese Kirche besucht haben, wozu wir auch gehörten, stellen sich vor. Manche Leute berichten auf der Bühne wie Gott ihnen in letzter Zeit geholfen hat. Nach vier Stunden Kirche sind wir dann gegangen. Aus war diese da aber noch nicht.
Letztes Wochenende ließen wir uns dann von einer anderen Nachbarin und ihrer Schwester die Haare flechten. Beide sind Frisörinnen und luden uns bei einem gemütlichen Tratsch vor der Haustür dazu ein sie am Samstag zu ihrer Arbeit zu begleiten. Da wir noch nichts besonderes vor hatten, kam uns das sehr gelegen und so verabredeten wir uns dafür. Schließlich überredeten Sie uns dazu unsere Haare zu flechten. So saßen wir fünfeinhalb Stunden auf dem Frisörstuhl! Dazwischen wurden wir noch mit Essen und Trinken versorgt. Jetzt haben wir nicht nur ugandische Kleider, sondern auch noch passende Frisuren!
Die Reise
Am Dienstag dem 1.9.15 ging es nun also endlich los. 12.42 Uhr ging der Zug und dieser war sogar pünktlich, sodass der Abschied von der Familie kurz und schmerzlos war. Das hätte ich mir ganz anders vorgestellt aber wahrscheinlich lag das auch einfach daran, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wirklich realisiert hatte, dass ich ab jetzt ein ganzes Jahr weg sein werde. Jetzt, wo ich gut zwei Wochen da bin, hab ichs langsam begriffen. Mit dem Zug ging es dann nach Düsseldorf zum Flughafen. Auf dem Weg hab ich mich mit meiner Mitbewohnerin Susi getroffen und schließlich versammelte sich am Flughafen ein Haufen aufgeregter junger Menschen, die sich freuten, dass es endlich losgeht. Alle hofften, dass ihr Koffer die 30 Kilo nicht überschreitet. Und dann ging es auch endlich los! Wir flogen nach Dubai und nach einem kurzen Zwischenstopp in der Früh ging es weiter nach Entebbe in Uganda. Der Flug an sich war relativ unspektakulär. Wir vertrieben uns die Zeit mit Schlafen und Filme gucken bis wir im Landeanflug waren. Plötzlich hingen alle an den Fenstern um möglichst früh zu sehen, was uns da am Boden erwartet. Wir sahen vor allem eins: Uganda ist sehr grün und nicht so sehr mit Städten zugepflastert, wie Deutschland. Am Boden angekommen durften wir dann noch eine Stunde für unsere Visa anstehen. Das bekamen wir leichter, als gedacht und nun waren wir auch endlich legal in Uganda.
Darauf wurden wir sehr herzlich von zwei Rotkreuzmitgliedern empfangen, die wohl schon drei Stunden auf uns gewartet hatten. Wir luden unser Gepäck in einen Bus. Die Ladefläche dessen hatte aber leider nur Platz für 3 Koffer, obwohl wir fast 20 mit je 2 Gepäckstücken waren. Der Rest wurde einfach durch ein kleines Fenster gehoben und auf den Sitzen gestapelt. Mit dem Bus, dessen Windschutzscheibe schon mehrfach mit Klebeband geklebt war ging es dann los Richtung Mukono, wo wir unsere Orientierungstage hatten. Auf dem Weg haben wir uns noch mit traditionellem ugandischen Mittagessen gestärkt. In Kampala standen wir dann noch im Stau, sodass wir das letzte Stück im dunkeln fuhren. Der Weg war schon sehr beeindruckend. Immer wieder machte der Busfahrer das Aufblendlicht an um Schlaglöcher und unbeleuchtete Motorrad- oder Fahrradfahrer schneller erkennen zu können. So viele Leute sind auf der Straße unterwegs und gerade in der Hauptstadt Kampala gibt es dann auch gerne mal ein Hupkonzert. Ohne die Verkehrspolizisten mit der Trillerpfeife würde hier gar nichts laufen. In unserem Camp angekommen, durften wir dann erstmal unsere Koffer durch den Matsch wuchten. Wir bezogen unsere Zimmer und trafen auf unsere focal persons, also die Leute, die uns in unseren branches = Rot-Kreuz-Stellen am Anfang alles zeigen, uns beim einkaufen und allen möglichen alltäglichen Dingen helfen. Uthuman, unsere focal person begrüßte uns sehr herzlich. Doch nach zwei Tagen Anreise waren alle sehr müde und wir freuten uns riesig auf unser Bett.
Orientierungstage:
Jeden morgen gab es um halb neun Frühstück. Toast mit Butter, Ei und Bananen frisch aus dem Garten. Nach einer Vorstellungsrunde machten wir uns dann mit Rotkreuzauto und Matatu (=Sammeltaxi) auf den Weg nach Kampala ins Headquater, also der Zentrale der URCS (=Uganda Red Cross Society). Dort bekamen wir eine kleine Führung und hatten ein kurzes Treffen mit dem Präsidenten der URCS (wenn ich es richtig verstanden habe). Was für eine Ehre! Zurück im Camp ließen wir am Lagerfeuer den Abend ausklingen. Dabei stellten wir uns gegenseitig Lieder und Tänze aus der eigenen Heimat vor. Die Ugander hatten da deutlich mehr zu bieten. Am nächsten Tag ging es dann um Geschichte und Aufbau des Roten Kreuzes. Das ist den Ugandern sehr wichtig. Hier kann fast jeder genaue historische Daten übers Rote Kreuz sagen. Die Mitglieder hier identifizieren sich sehr mit der Idee des Roten Kreuzes. Man spürt, wenn sie darüber reden, dass sie sehr begeistert davon sind. In Deutschland habe ich das noch nie auf diese Weise erlebt. Man sollte zwar mal ein Rotkreuz-Einführungsseminar gemacht haben und die Kinder lernen das Wissen für Wettkämpfe aber das wars dann auch. Es gibt sicherlich viele, die keine Ahnung haben, was überhaupt die Grundsätze der Organisation sind, die sie vertreten. Vielleicht können wir hier ja von unseren ugandischen Partnern lernen? Nach dem Mittagessen machten wir dann noch einen Spaziergang durch das Dorf, in dem wir vorübergehend wohnten. Wir kamen an einem Steinbruch vorbei. Hier arbeitete ein Mann, der sein Bein bei einem Unfall verlor. Er stellte uns die Frage was unser Aufenthalt ihm bringen würde. Diese Frage hat uns sehr schockiert, denn sie hat uns direkt aufgezeigt, dass dieses Jahr vor allem für uns gemacht ist, dass wir etwas lernen. Natürlich werden wir auch sinnvolle Projekte ins Leben rufen. Aber damit erreichen wir eben doch nur wenige. Nach diesem Erlebnis genossen wir noch die herrliche Landschaft und ließen uns von den ugandischen Kollegen viele tolle Pflanzen und Früchte zeigen. Den Rest der Orientierungstage verbrachten wir noch mit weiteren Vorträgen, Spielen und viel Austausch über unsere Kulturen. Am letzten Tag gabs sogar eine Stadtführung in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Aber dann ging es endlich weiter...
Auf nach Jinja
Nachdem wir uns schon ein bisschen hier eingewöhnt hatten, waren wir froh endlich in unsere endgültige zukünftige ,,Heimat“ zu kommen. So machten wir uns am Montag morgen auf den Weg erstmal zur Branch in Mukono. Von dort ging es dann in alle mögliche Richtungen des Landes weiter. Wir durften aber erstmal geschlagene zwei Stunden in der prallen Sonne warten, weil der, der sich um unsere Arbeitsgenehmigungen kümmert zu spät war. Zum Glück hat uns eine Bananenstaude etwas Schatten gespendet. Schließlich verstauten wir unser Gepäck auf dem Dach des Rotkreuzautos und quetschten uns alle ins Auto. Mit uns fuhren noch die Freiwilligen und focal persons für die Branches in Iganga und Tororo. Auf der Fahrt waren alle total ko vom warten in der Sonne. Doch plötzlich hielt das Auto an und wir waren umgeben von bestimmt 10/15 Frauen, die Bananen auf dem Kopf trugen. Wir kauften ein paar und, als jeder welche gegessen hatte, stieg die Laune abrupt. In Jinja angekommen wurden wir von unseren zukünftigen Kollegen sehr lieb und überwiegend auf deutsch begrüßt. Man sieht unsere Vorfreiwilligen haben gute Arbeit geleistet! Darauf haben wir noch traditionell ugandisch gegessen und wir wurden in unser Appartement gebracht. Susi und ich teilen uns ein Schlafzimmer. Außerdem haben wir einen Balkon und ein Badezimmer mit kaltem aber immerhin fließendem Wasser (zumindest wenn unsere Nachbarn gerade mal keinen Waschtag haben). Unsere Küche besteht aus einer Herdplatte mit Gasbetrieb und einem kleinen Regal, in dem das Geschirr gestapelt ist. Leider haben wir keinen Tisch, sodass wir alle Speisen auf dem Boden zubereiten müssen. Aber auch daran gewöhnt man sich. Nachdem wir uns hier ein bisschen eingerichtet haben, sind wir noch mit einigen Rotkreuzleuten einkaufen gegangen. Endlich konnten wir in unser Bett fallen!
Am nächsten morgen bin ich dann schon mal mit Kopfschmerzen aufgewacht. Irgendwann kam dann noch Fieber dazu aber noch war alles ok. Das hätte am nächsten Tag wieder vorbei sein können. Alle waren sich einig, dass ich mich einfach noch an die andere Umwelt gewöhnen muss, bis ich abends auf einmal 40 Grad Fieber hatte. Erschrocken davon fragten wir Uthuman um Rat, der uns Jacky (Mitglied des Roten Kreuzes, hilft uns beim Einstieg, hat ein Restaurant gleich gegenüber) vorbeischickte, denn sie wohnt in der Nähe. Der Plan war eigentlich ins Krankenhaus zu gehen, doch so weit kam es nicht. Sie schleppte uns zu einem Apotheker in der Nachbarschaft. Ich hatte schon ein komisches Gefühl, denn eigentlich wollte ich ja ins Krankenhaus. Er schlug vor einen Malariatest zu machen. Dabei wird man einmal kurz in den Finger gepickst um Blut für den Schnelltest zu gewinnen. Leider hat der Apotheker dazu erst nach Aufforderung Handschuhe angezogen, was in einem Land mit hoher HIV- Rate nicht ganz so cool ist. Der Test war zum Glück negativ. Dem hab ich allerdings nicht so ganz vertraut. Er hätte genauso schon seit 10 Jahren abgelaufen sein können. Der Apotheker wollte mir dann noch ohne irgendwas festzustellen Antibiotikum verkaufen. An dieser Stelle vertröstete ich ihn darauf noch eine zweite Tablette zum Fiebersenken zu nehmen und am nächsten Tag ins Krankenhaus zu gehen. Ziemlich verzweifelt lag ich nun also im Bett und fragte unsere Vorgänger um Rat. Die nannten uns dann auch ein Krankenhaus und wir machten uns am nächsten Morgen mit dem Boda-Boda (=Motorradtaxi) auf den Weg dorthin. Im Nile Hospital bin ich dann auch gleich drangekommen und der Arzt ordnete einige Tests an, sodass ich auf alles durchgecheckt wurde. Schließlich stellte sich heraus, dass ich eine starke Salmonelleninfektion habe, und, dass meine Blutwerte so ziemlich im Eimer sind. Das lag wohl daran, dass ich Vegetarier bin. In Deutschland hatte ich da nie Probleme mit. Allerdings ist es nicht ganz verwunderlich, dass die Ernährung nicht ausgewogen ist, wenn man eine Woche lang mittags und abends immer das selbe Essen serviert bekommt. Naja gut. Mit Antibiotikum und einer Menge anderer Medikamente machten wir, also Susi, Uthuman und ich, uns wieder auf den Rückweg. Nach ein paar Tagen Ruhe geht es mir jetzt auch endlich wieder besser.
Der erste Arbeitstag
Voll motiviert endlich arbeiten zu können machten wir uns heute auf dem Weg ins Office. Dort sollte uns eigentlich unsere focal person Uthuman empfangen. Der war aber leider nicht da und hat uns geschrieben, dass er erst abends wieder kommt. Wir warteten ein wenig darauf, dass jemand was mit uns macht aber leider kam niemand. Später war unsere Branch Managerin, also unsere Chefin da. Sie drückte uns einen Zettel in die Hand, wo wir unsere Fähigkeiten und wie wir diese einbringen können aufschreiben sollten. Nachdem wir das gemacht hatten, passierte wieder erstmal nichts. Also fragten wir nochmal nach ob wir irgendwas machen sollen. Darauf druckte sie uns noch ein paar Zettel aus, die wir uns daheim mal durchlesen sollten. In einem Gespräch brachten wir zum Ausdruck, dass wir gerne mal im Krankenhaus mitarbeiten würden, wie das unsere Vorgänger gemacht haben. Dieser Vorschlag wurde dann auch gleich unbegründet abgelehnt. Schließlich konnten wir dann endlich gehen, denn zu tun gab es eh nichts. Mittlerweile war es halb zwei. Gekommen sind wir um neun. Um einen Zettel auszufüllen ganz schön viel Zeit. Unsere Geduld war auch echt aufgebraucht. Zurück in der Wohnung haben wir uns dann erstmal Spaghetti mit Tomatensoße und ein paar Kekse gegönnt. Danach ging es uns gleich viel besser! Wir hofften sehr, dass der nächste Arbeitstag ein bisschen besser wird, doch wir wurden leider enttäuscht. Es gab wieder nichts zu tun.
Heute hatten wir dann endlich mal ein Meeting, bei dem sehr viele Mitglieder da waren. Hier wurden wir dem Team vorgestellt und natürlich wie immer herzlich aufgenommen. Danach haben wir uns
endlich einen Internetstick besorgt und wir waren zusammen mit unserer focal person beim Schneider und haben ein Kleid in Auftrag gegeben. Das ist hier so üblich, wenn man neue Klamotten braucht. Am Samstag können wir es abholen. Wir sind gespannt, wie es aussieht!!!
Hallo ihr Lieben,
so kurz vor der Reise habe ich mich doch noch dazu entschieden euch in einem Blog von meinen Erlebnissen zu berichten! Morgen gehts los! Der Koffer steht schon bereit und wartet darauf endlich etwas zu erleben! Und auch die Besitzerin dessen freut sich schon rießig mit ihm und ca. 20 Gleichgesinnten aufzubrechen in ein großes Abenteuer. Trotzdem bleibt da auch ein komisches Gefühl: Die Abschiedsparty ist vorbei, die Freunde schon wieder zuhause, heute gibt es ein letztes Treffen mit den Großeltern und morgen wird dann auch die Familie, mit der ich 18 Jahre lang nahezu jeden Tag verbracht habe, zurückgelassen. Einfach wird das sicherlich nicht aber eigentlich ist es ja schön so viele tolle Menschen zu haben, die einem den Abschied schwer machen! Vollgepackt mit Erinnerungsstücken an diese mache ich mich morgen also auf den Weg in einen neuen Lebensabschnitt, der mich sicherlich für mein ganzes Leben prägen und verändern wird! Auf gehts!